Das Wertvolle am Artikel ist dass den meisten Nutzern tatsaechlich nicht bewusst sein duerfte, was Google im Hintergrund fuer Verfahren einsetzt (einen hochskalierten HAL als Vergleich zu bemuehen macht es dann wieder ein bisschen kaputt, aktuell verdaechtige ich Googles Machine Learning noch nicht, meine Lippenbewegungen auszuwerten und mich, wenn ich einmal bei Yahoo! suche, aus dem Raumschiff zu werfen). Ebenso dass die dahergebrachte, naive Sicht auf personenbezogene Daten veraltet ist.
Insgesamt muss ich Tiles aber recht geben,
darum geht es nicht - wenn Google Daten
nur fuer anonymisiertes Machine Learning einsetzte, haetten sie genau das in ihren Nutzungsrichtlinien formulieren koennen - haben sie aber nicht getan und stattdessen etwas fabriziert, das
ebenso gegen EU-Standards verstoesst - das Argument, eine korrekte Formulierung der Datenschutzrichtlinien waere aufgrund naiver Ansichten ueber personenbezogene Daten nicht EU-konform gewesen, zieht also nicht

Im Uebrigen ergeben N Klassifikatoren - so statistisch sie auch sein moegen - ueber mein Suchverhalten genau das, wovor die Leute Angst haben, naemlich ein personenbezogenes und zwingend (zumindest in Bezug auf die Suche) zentralisiertes Profil – und dass
solche "Klassifikatoren" existieren zeigt ja wohl die Google-Suche wenn man eingeloggt ist.
Gerade weil Google auch im Besitz der Informationswolken, in die mich ihre Klassifikatoren einzuordnen versuchen, ist, sind diese bei passender Auswertung erst recht aussagekraeftig, insofern erschliesst sich mir nicht so ganz wieso mein Profil jetzt ploetzlich harmlos sein soll.
Eine moegliche Fortsetzung waere die Frage: was ist eigentlich fuer mich bedrohlicher? Ein paar Profilfelder (die luegen koennen und aus kaum mehr als ein paar groben Datenpunkten bestehen) oder ein paar Angelhaken um mich zuverlaessig und mit hoher statistischer Relevanz in nahezu jedem Lebensbereich zu verorten?
Nur weil maschinelles Lernen ein bisschen schwammmig ist, heisst das nicht dass man daraus keine harten Fakten gewinnen und sammeln
koennte (wie immer bei Datenschutzdebatten liegt das Problem in diesem Verb

).
Die Groesse meines Bildschirms, meine Klickmuster und die Tatsache dass ich gerade auf einer Website fuer Programmierer surfe, sagt fuer einen Werbeeinblender eine Menge aus - aber wie viel mehr bringt die zusaetzliche Information dass ich in der Vergangenheit ein gewisses Faible fuer Produkte der Firma X gezeigt habe und ausserdem auf der Suche nach einem neuen Auto bin? Nur weil 99.9% der implizit erhobenen und ausgewerteten Klassifikatoren fuer mich harmlos sind, heisst das weder dass es die restlichen 0.01% auch sind, noch dass diese nicht gerade die fuer Google wichtigen sein koennten (soviel zu "es bleiben n-1 faktoren fuer grosse n").
Google wuerde ich persoenlich nicht als boese bezeichnen - die Firma hat einfach das "Pech", ihrer Zeit voraus zu sein und entsprechende juristische Anpassungen und gesellschaftliche Diskussionen selber anstossen und "testfahren" zu muessen

Aehnliche Probleme gab es z.B. nach der Einfuehrung des Automobils.
Klar ist, dieses Themenkomplex muss gesellschaftlich breiter ausdiskutiert werden als "nur" zwischen Juristen, Informatikern, Netz-Junkies und zuweilen mal Politikern.