Textverarbeitung im Jahr 2016

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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Alexander Kornrumpf » 09.04.2016, 12:48

Jonathan hat geschrieben:Wenn ich in Lyx eine Section anfangen will drücke ich "Alt+P+2". In einen dummen Texteditor müsste ich für Latex Code ein "\section{" schreiben und daran denken, die Überschrift auch ja mit "}" zu beenden. Lyx hingegen ist nach einem Zeilenumbruch direkt wieder bei normalem Text. Wenn ich ein Wort hervorheben will, muss ich in Latex \emph tippen und auch wieder auf das Ende achten. In Lyx markiere ich die Stelle und drücke Strg+E. Und noch viel besser wird es, wenn ich Mathe-Formeln schreiben, insbesondere wenn man viele Verschachtelungen und Indices hat. Unterm Strich braucht man einfach weniger Tastenanschläge. Und das ganze dann in Kombination mit einer grafischen Ausgabe macht das ganze editieren dann schon sehr viel angenehmer. Wiederum gerade bei Formeln, die ja oft eher zweidimensionale Gebilde sind.


Ich bezahle halt mit Tastenanschlägen, dass \section für mich mnemetisch eher mit ähm "section" zusammenhängt als Alt+P+2. Das liegt natürlich zum Teil daran, dass ich das eine auswendig kann und du das andere, aber jemand der beides nicht kann wird, wenn er das heute liest, die Variante mit \section in einer Woche vermutlich noch eher wissen als den Shortcut.

Beim Vergleich mit \emph{} darfts du das Markieren natürlich nicht mit 0 Anschlägen budgetieren.
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Jonathan » 10.04.2016, 00:31

Naja, die Logik dahinter ist halt, dass Alt den Shortkey einleitet und das P für Paragraph steht. Und danach drückst du halt noch eine Taste um den Paragraphtypen auszuwählen:

- 1-5 für die verschiedenen Überschriften
- T für den Titel
- B für eine Aufzählung (Bullets)
- S für normalen Text (Standard)
- usw...

Letztendlich ist es ein bisschen die Frage, was man sich leichter merken kann: \section ist ja nun auch nicht eindeutig, es könnte ja auch \headline oder so heißen. Ist in diesem Falle vielleicht etwas konstruiert, aber es gibt durchaus zahlreiche LaTeX-Kommandos mit echt dämlichen Namen (\pm ist nicht besser als irgendein Shortkey). Und insbesondere bei Matheformeln ist mir das ein oder andere mal aufgefallen, dass man eben doch eher beschreibt, wie es aussieht, als was es bedeutet - was irgendwie gegen die Grundphilosophie ist.
Aber all das ist egal, sobald man es so oft benutzt, dass man die Einarbeitungszeit irrelevant ist. Und das dürfte bei Text-Verarbeitung bei vielen Menschen der Fall sein. Ich bin jemand der sehr gerne effizient arbeitet, und wenn ich für etwas mehr tun muss, als ich eigentlich tun müsste nervt mich das. Mich nervt es ehrlich gesagt sogar, dass ich in Lyx drei Tasten für eine Überschrift brauche, anstatt zwei.
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Chromanoid » 10.04.2016, 18:24

Eine Auto-Completion ist doch am einfachsten oder nicht? Ich habe meine Diplomarbeit mit Texmaker und mit TeXlipse geschrieben. Ich glaube bei beiden gab es sehr praktische Auto-Completion-Features. Ich habe mir damals Lyx nur kurz angeschaut, aber da wäre so eine Art Auto-Completion um die Shortcuts kennen zu lernen doch auch ziemlich praktisch oder? Einfach ein kleines Fenster auf machen, sobald man ALT drückt? Das gibt's da nicht?
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Alexander Kornrumpf » 11.04.2016, 10:28

Ich glaube auch nach dem zweiten Nachdenken, dass Textverarbeitung auf dem Niveau von Word, LaTeX oder sonstwas einfach komplex ist. Auch regelmäßige Wordnutzer bzw. Leute, die dazu ausgebildet wurden (Bürokaufleute), verwenden es oft nicht so, wie es verwendet werden will. Erschwerend hinzu kommt, dass Word versucht intelligent zu sein. Was schön ist, solange es funktioniert. Aber wehe es geht mal was kaputt.

Am Ende muss der User erstmal selbst verstehen was er möchte. Der zweite Schritt ist dann, das dem Programm beizubringen. Für den zweiten Schritt soll jeder das Paradigma nehmen, was ihm liegt. Aber bei der Automatisierung des ersten Schritts gibt es mMn eine Grenze und ich glaube dass Word (auf Kosten der Präzision im zweiten Teil) an dieser Grenze operiert.

Ich wüsste nicht, was da noch zu holen sein soll.
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Chromanoid » 12.04.2016, 13:44

Naja, in LaTeX gibt man ja auch im Vorhinein an, was man da eigentlich schreiben will. Auch für Word gibt es Vorlagen. Nur bietet Word eben tausend Wege sich nicht an die Konventionen der Vorlage zu halten. Und ich glaube genau da muss man ansetzen. Es muss einfach sein eine gute passende Vorlage zu finden und die Vorlage muss dann mehr als nur ein paar bereits eingefügte Textzeilen und Formatierungen sein, sondern den Benutzer auf sehr benutzerfreundliche Weise dazu zwingen strukturiert zu arbeiten.
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Alexander Kornrumpf » 12.04.2016, 14:00

Chromanoid hat geschrieben:Nur bietet Word eben tausend Wege sich nicht an die Konventionen der Vorlage zu halten. Und ich glaube genau da muss man ansetzen. Es muss einfach sein eine gute passende Vorlage zu finden und die Vorlage muss dann mehr als nur ein paar bereits eingefügte Textzeilen und Formatierungen sein, sondern den Benutzer auf sehr benutzerfreundliche Weise dazu zwingen strukturiert zu arbeiten.


Ich hätte das Argument zwar gerne genauso gebracht, aber ich glaube, das liegt in der Natur der Sache. Bei LaTex gibt es auch oft >2 Wege irgendwas zu erreichen. Nur sind die halt im Regelfall besser dokumentiert, bzw. der Dokumentierer wusste was er tut.

Textverarbeitung in überschneidungsfreie Mechaniken aufzuteilen (sodass für jedes Problem genau eine Lösung existiert) ist nicht leicht. Und dann hast du immer noch nicht das Problem gelöst, dass der User jede dieser Mechaniken kennen und verstehen muss. Die Benutzerfreudlichkeit von Word rührt umgekehrt daher dass man mit einer Handvoll recht universeller Werkzeuge schon recht weit kommt. Beides zu vereinen ... schwierig.

Wäre wirklich cool wenn wir mal einen Prototypen als Anschauungsobjekt hätten. Ist alles ein bisschen theoretisch, gerade.
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Chromanoid » 12.04.2016, 17:24

Alexander Kornrumpf hat geschrieben:Wäre wirklich cool wenn wir mal einen Prototypen als Anschauungsobjekt hätten. Ist alles ein bisschen theoretisch, gerade.
Da hast Du absolut recht :). Ich hab auch schon die ganze Zeit vor das mal auszuprobieren... Ich wollte eigentlich erst mal einen Prototypen für mich basteln, der aus HTML + SVG auch irgendwie schickes PDF machen kann, aber der Usability-Aspekt ist wahrscheinlich sowieso viel wichtiger, sonst reiht sich das Projekt im besten Fall lediglich in die Reihen der Markup-Sprachen ein.
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Re: Textverarbeitung im Jahr 2016

Beitragvon Oprah Noodlemantra » 12.11.2017, 15:08

Es gibt Tools, die wollen alles können und es gibt spezialisierte Tools. Zum Beispiel gibts für Drehbücher eine sehr strikte Struktur. So eine Struktur eignet sich ideal für ein spezialisiertes Tool: Auf einen Namen folgt in einem Drehbuch eigentlich fast immer etwas in Klammern oder der Dialogtext. Namen werden dabei anders formattiert als der Dialog. Und auf die Dialogzeile folgt entweder noch eine Dialogzeile oder wieder ein Name oder manchmal eine Szenenbeschreibung. Das kann man dann einfach mit einem Hotkey durchschalten, meistens TAB oder sowas. Die seltenste Variante (Ende der Szene) folgt als letzter Eintrag. Die Struktur ist so überschaubar, dass man sich nicht viele Hotkeys einprägen muss, bzw. die Anzahl der Tab-Anschläge schnell erlernt.
Allerdings bietet die Vorlage natürlich wenig Platz für eigene innovative Gedanken zur Textgestaltung.

Das Schöne an so einer Sturktur ist, dass man auch einfach Daten aus dem Text gewinnen kann. Man kann aber auch Daten mit den Elemten verknüpfen, nur eben nicht im Dokumenttext selbst, sondern irgendwie über das Tool. Sowas gibts auch für Videospiele: https://www.celtx.com/gem/index.html

Vielleicht könnten die templates für Texteditoren viel stärker in die Steuerung des Programms eingreifen. Bei IDEs geht das doch auch mit den Plugins (automatische Einrückungen, etc.), eine Programmiersprache ist doch auch nur ein spezieller Fall. Und warum soll man nicht auch einen Templatewechsel innerhalb eines Templates machen können? Man bettet sozusagen ein anderes Dokument in einen festgelegten Bereich ein. Weil man aber im selben Tool ist, ist das nur ein Templatewechsel. Zumindest kann ein Template nicht alle Fälle abdecken.
Ich denke, das Einbetten ist der schwierige Fall: Wie ist der Bereich am Text ausgerichtet, darf der Inhalt des Bereichs die Größe festlegen, usw.

Für die Gestaltung eines Übungsbogens für Schüler muss man sich dann natürlich erstmal ein Template überlegen. Aber hier spricht ja auch nichts dagegen, dass das Tool einem auch eine Art Canvas-Template gibt und man das ganz frei mit einfachen Grafiken füllen darf, weil es vielleicht einfach keine geeigente allgemeine Lösung gibt.


Achso, eigentlich gehts hier ja darum, dass Befehle (sowas wie \secton oder auch <p>) und WYSIWYG nicht im selben Dokument koexistieren können. Das ist denke ich unvermeidlich, sie können nicht im selben Template auftauchen, das wäre für beide Seiten irritierend. Aber es spricht ja nichts dagegen, dass der eine das Template so konfiguriert, dass er Befehle schreibt und der andere eben anders arbeitet. Beide Templates nutzen dann dieselbe Templatebasis.
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