Kameraeffekte

Für Fragen zu Grafik APIs wie DirectX und OpenGL sowie Shaderprogrammierung.

Kameraeffekte

Beitragvon Zudomon » 10.02.2017, 11:40

Damit sind alle Effekte gemeint, die irgendwie einen gewissen "Coolness"-Faktor haben, aber letztendlich das Bild schlechter machen.

  • Sekundäre Lensflares
  • Motion Blur
  • Vignetting
  • Chromatische Aberation
  • Verschmutzte Linse
  • Tiefenschärfe
  • Filmrauschen

Ich fand ja CA eigentlich recht toll... aber durch die Optimiererei kann ich das Ganze nicht sauber in einem Pass machen, weil das Bild noch für andere Dinge nachbearbeitet werden muss. Krishty schüttelt es ja bereits schon, wenn er die Liste sieht. Und ich habe auch einige Effekte bewusst nicht umgesetzt, weil der Spieler die Welt eben nicht durch eine Kamera sieht.
Die Frage ist, sollte man nicht wirklich auf alle Effekte verzichten? Im Film versucht man doch eigentlich all diese Effekte auszumerzen.
Kann es sein dass dieses Bild verschlechtern dazu führt, dass Details vom Gehirn rekonstruiert werden und man vielleicht deswegen manchmal das Gefühl hat, die Effekte werten auf?
Und wäre es dann prinzipiell besser, wenn die Beleuchtung, Texturen usw. das Bild von vornherein schon realistisch machen, ohne dass man solche Effekte drüber haut?
Zudem kommen die meisten dieser Effekte nicht ganz gratis.
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Re: Kameraeffekte

Beitragvon sfxon » 10.02.2017, 11:52

Da du das schon so schön mit dem Filmemachen vergleichst.

Aus der Sicht der Kunst hat jeder Effekt eine Funktion und Bedeutung. Man achtet gerade hier bei der Wahl der Kamera, des Trägers (also der Wahl des Films) und auch der Linsen sehr auf die richtige Auswahl. Quentin Tarrentino, Steven Spielberg und einige andere schwören z.B. auf Super 8, auch wenn das kaum noch zum Einsatz kommt. Wikipedia sagt zu Super 8, "es spielt [..] nur noch eine marginale Rolle im professionellen Film, wo es von manchen Regisseuren wegen seiner Ästhetik (Farbe, Korn, Auflösung) geschätzt wird".

Und dass kann man sehr gut auf die 3D-Grafikgenerierung anwenden. Jeder Effekt, jede Einstellung des Viewports verändert die Darstellung. Ich bin bspw. noch nie ein Fan der Unreal Engine gewesen. Fasziniert bis heute hat mich die Q3 Grafik-Engine. Die Unreal 2 Engine hatte auch etwas für sich. Da fängt das schon an - an solchen minimalen Formateinstellungen wie das Setup des Viewports.

Die weiteren Effekte sind dann meiner Meinung nach Ergänzungen die zur Stimmung beitragen sollen. Die nächtlichen Nass-Glanzeffekte eines Need For Speed Underground waren zB. spektakulär. Aber tagsüber passen die einfach nicht. Da fühlt sich ein abgestumpftes Bild einfach realistischer an - näher an der Materie.
Und so macht es Sinn, all diese Effekte in die Engine zu integrieren - sie aber letzten Endes vielleicht nur Sparsam einzusetzen.

Hier ist dann vielleicht die Grenze zwischen Hardcore Grafik Programmierung und künstlerisch ästhetischem Gestalten. Zunächst sollte das Grundmaterial stimmen. Der Film an sich, also die Engine sollte dir in der Rohfassung schon sehr gut gefallen - und dann sollten die Effekte diesen Eindruck und die Stimmungen verstärken können.
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Re: Kameraeffekte

Beitragvon joeydee » 10.02.2017, 13:52

Dass alles nur Gestaltungsmittel ist, lässt sich leicht an der umgekehrten Betrachtung feststellen, d.h. was machen Fotografen und Filmemacher alles, damit das natürliche Bild "besser" wird im Sinne von besserer Bildsprache, angenehmerer Betrachtung, Erzeugen von Stimmung und Atmo? Damit meine ich nichtmal bewusst auf "künstlich" ausgelegte Produktionen, sondern solche, die immer noch "natürlich" rüberkommen wollen:

- Amber-Teal-Effekt im Gegensatz zu den natürlichen Farben. Teilweise durch Nachbearbeitung, teilweise durch gezielte Ausstattung/Manipulation/Ausleuchtung der Sets. Ganz extrem in vielen Kinoproduktionen, vor allem bei Innen- und Nachtaufnahmen. Aber selbst in TV-Krimis wie "Wilsberg" oder neuere "Tatort" beherrscht die Orange-Blau-Palette inzwischen überwiegend das Bild, auch tagsüber, bis hin zu Büchern die im Hintergrund im Regal stehen.
- Rim-Lights und indirekt angeleuchteter Gegenlicht-Nebel (v.a. bei Nachtaufnahmen) ohne dass diese einer tatsächlichen sinnvollen Lichtquelle in der Szene zugeordnet werden könnten. Ganz deutlich bei vielen auf "spannend" getrimmten Nacht-/Waldszenen.
- Ambientes Licht aufhellen durch Reflektoren. Natürliche Tageslichtaufnahmen hätten zu oft störende Schattenpartien.
- Möglichst komplette Eliminierung von Schlagschatten bei Produktaufnahmen durch ein Lichtzelt.
- Spiegelungen erzeugen die es so nicht gibt (durch Lampen und Masken), da das tatsächliche Spiegelbild zu langweilig oder zu komplex wäre, die Objektform nicht gut unterstützt, oder auf Standbildern gar nicht als Spiegelung interpretiert werden würde.
- Sämtliche Tricks & Fakes bei der Food-Fotografie.
- Ähnlich gelagert sind weitere Effekte die in ihrer natürlichen Art einfach nur extrem stören würden oder nur sporadisch als Stilmittel eingesetzt werden, wie z.B. Kamerabewegungen beim Gehen absoften (sonst sähe alles wie "Blair Witch Project" aus), ausschalten der natürlichen Soundkulisse und Nachvertonung, und und und ...

Meist ist die natürliche Abbildung die schlechteste von allen, wenn es darum geht, mit Bildern eine Geschichte zu erzählen.
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Re: Kameraeffekte

Beitragvon sfxon » 10.02.2017, 14:16

Danke joeydee. Schöne Beispiele bringst du da. :)
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