Also Informatik ist ja im Wesentlichen angewandte Mathematik.
Ich war in der Schule in Mathe immer gut, ich hab quasi nie etwas dafür gelernt oder geübt und konnte trotzdem alle Aufgaben lösen. Dann kamen im Studium die ersten Mathevorlesungen und zum ersten mal in meinem Leben saß ich hilflos da, weil ich nichts verstanden hab und keine Ahnung hatte, wie ich jetzt die Aufgaben lösen soll... Mit Erfahrung und Übung wurde es dann irgendwann besser, aber ohne Zeit zu investieren geht es nicht. Ich habe auch danach nie jemanden getroffen, der gut in Mathe war und sich nicht die Nächte um die Ohren geschlagen hat um abstrakte Konzepte endlich zu verstehen. Mit clever alleine kommt da niemand durch, man muss auch immer hart arbeiten.
Schrompf hat geschrieben: ↑Gestern, 21:00
Hauptsache gelöst, oder?
Schrompf hat ja schon viel gutes dazu gesagt, aber ich möchte nochmal hinzufügen: Schrompf hat mit Sicherheit gemeint "Hauptsache _selber_ gelöst". KI ist heute tatsächlich so gut, dass es dir die allermeisten Übungsaufgaben sehr gut lösen kann. Das bringt nur niemanden was. Den einen Tipp den ich dir mitgeben würde ist vermutlich, während dem Studium weitesgehenst komplett zu vergessen, dass es KI überhaupt gibt. Eine abgeschriebene Lösung hilft niemanden. Auch deine Abschlussarbeit musst du nach wie vor von Hand schreiben. KI ist eine Abkürzung für Leute, die wissen was sie tun, als Studianfänger gehört du nicht dazu.
Früher hat man Späße gemacht à la "du wirst nicht immer einen Taschenrechner dabei haben". Das stimmt heute immer noch, "du wirst nicht immer ChatGPT dabei haben". Du willst gar nicht wissen, wie viele Meetings ich schon gesehen habe, in denen Studenten toll ausgearbeitete Folien mitbringen, wenn sie erklären wollen, woran sie die letzten 2 Wochen gearbeitet haben. Seit die Folien alle KI generiert sind, ist die Qualität massiv nach oben gegangen. Aber halt nur die optische und sprachliche, weil im Gespräch erklären kann der (schlechte) Student sie dann immer noch nicht. Es ist unverzichtbar zu lernen, komplexe Gedanken strukturiert vorzustellen - ad hoc, im Meeting, ohne Vorbereitung und ohne ChatGPT. Und das lernt man, wenn man übt, wenn man Arbeiten von Hand schreibt, wenn man 10 mal alles neu machen musste, aber dabei verstanden hat, warum es dumm und schlecht war.
Meine Kriterien für gute Studenten sind "kann komplexe Zusammenhänge verstehen" und "kann effizient kommunizieren". Fachwissen kommt dann irgendwo an dritter Stelle oder später. Wenn ich eine inhaltliche Frage innerhalb einer halben Stunde erklären kann und der Student es dann verstanden hat, spielt es keine Rolle, das er das vorher noch nicht wusste. Wenn ich wochenlang stundenlange Meetings veranstalte aber der Student trotzdem immer noch die falschen Sachen macht, weil er nicht erklären konnte wo das Problem liegt und selbst wenn, nicht versteht, was ich ihm erkläre, dann wird er scheitern. Ganz egal wie viel Fachwissen er hat. Fachwissen hat auch mein KI Bot, dafür brauche ich keine Studenten...
Also: Investiere viel Zeit, versuche Dinge wirklich von Grund auf zu verstehen. Daran wirst du die ersten paar Semester vermutlich scheitern, das ist schon ok, keine Sorge. Aber du musst lernen, Dinge zu verstehen und Dinge zu erklären, anstatt nur Übungszettel abzuarbeiten.